Editorial
Sportspuren ZEIT Magazin

Die Überbleibsel sportlicher Wettkämpfe sind sekundär: Teilnahmebestätigungen, Pokale, eine Medaille, im schönsten Fall olympisches Gold. Verbriefte Erinnerungen an eine Höchstleistung und von Dritten zur Verfügung gestellt. Diese Bilderserie konserviert motorische Hinterlassenschaften von Sportarten – zeitlich verdichtet als aufgezeichnete Kreidespuren. Einstudierte Bewegungen, tausendfach trainiert, ausprobiert, verworfen, angepasst, optimiert.

Veröffentlicht im Magazin der ZEIT.
Die Arbeit wurde mit dem ADC Award für Fotografie ausgezeichnet.

GEWICHTHEBEN In einer durchgehenden Bewegung wird die Langhantel gehoben und auf den Schlüsselbeinen abgelegt. Dort darf sie ruhen, bis der Athlet sie ganz zur Hochstrecke bringt. Pressatmung trennt das Herz kurzfristig von der Blutzufuhr und mobilisiert die letzten Kräfte. Oft taumeln die Gewichtheber nach dem Stoß und sind der Ohnmacht nah. Das ist normal und Teil der Hebetechnik.

FECHTEN Es gilt, die Blöße zu treffen, die gültige Kontaktfläche des Gegenübers. Angriffe erfolgen aus der Grundstellung, bei der die Füße im rechten Winkel stehen. Die Battuta, der Klingenschlag, unterbricht den Vorstoß des Gegners und leitet die eigene Offensive ein.

RINGEN Selbst bei kleinen Verletzungen darf die Ringermatte nicht verlassen werden. Die Athleten sind verplichtet, während des Kampfes ein Stofftaschentuch bei sich zu tragen, um z.B. Risse in der Lippe damit abzutupfen. Sie verstauen es unter dem Trikot oder in der Socke. Männer müssen zum Wettkampf entweder frisch rasiert oder mit erkennbar mehrwöchigem Bart erscheinen, ein 3-Tage-Bart würde die Haut des Gegners zu stark reizen.

KUGELSTOSSEN Die Kugel wird mit der Hand am Hals gehalten. Zur Beschleunigung dient ein Kreis von 2,135 m. Das Gewicht der Kugel ist auf 4,000 Kg für Athletinnen und 7,257 Kg für Athleten festgelegt. Der optimale Abstoßwinkel liegt bei 37° - 41°, er leitet die Flugparabel ein. Für den Kugelaufschlag ist ein Sektor mit 32,92° Öffnungswinkel definiert.

RHYTHMISCHE SPORTGYMNASTIK Eine Wettkampfübung muss musikalisch unterlegt sein und dauert 60 - 90 Sekunden. Gerät sie zu kurz oder zu lang, werden pro abgewichener Sekunde 0,05 Wertungspunkte abgezogen. Der kurzzeitige Rhythmusverlust in der Übung kostet 0,10 Punkte, das verspätete Erscheinen des Musikers schlägt mit 0,50 Minuspunkten ins Gewicht, ein versehentlicher Knoten im Seil mit 0,30. Der ‚Code de Pointage‘, das internationale Gymnastik-Regelwerk, hat einen Umfang von mehr als 240 Seiten.

TISCHTENNIS Der Tisch ist 4,1785 qm groß, 76,2 cm hoch und grün oder blau. Zelluloid-Bälle haben ein Gewicht von 2,7 Gramm und gelten als wettkampftauglich, wenn sie, fallen gelassen aus 30 cm Höhe, von der Platte genau 23 cm hoch zurück springen.

TAEKWONDO Tae-Kwon-Do bedeutet Fuß-Faust-Weg. Gekämpft wird im Vollkontakt, Chayu Matsoki. Ye-Ui und Yom-Chi sind zwei wesentliche Geisteshaltungen im Umgang mit dem Gegner - Höflichkeit und Integrität.